The Chess Timer

Wie funktioniert eine Schachuhr?

Veröffentlicht am 28. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Eine Schachuhr besteht aus zwei Uhren, von denen immer nur eine läuft: Nach deinem Zug drückst du die Taste auf deiner Seite, deine Zeit steht still, und die Zeit deines Gegners läuft. Wer seine Züge nicht in der vereinbarten Bedenkzeit schafft, verliert die Partie auf Zeit. Wie funktioniert eine Schachuhr im Detail, von der Grundzeit über das Inkrement bis zu den Regeln am Brett? Das erklärt diese Anleitung – mit einer Live-Demo, in der du Fischer-Modus und US-Delay nebeneinander laufen siehst.

Warum läuft beim Schach eine Uhr?

Ohne Uhr könnte eine Partie beliebig lange dauern, und wer schlechter steht, hätte wenig Grund, überhaupt noch zu ziehen. Die Schachuhr gibt beiden Spielern ein festes Zeitbudget. Nach Artikel 6.3.1 der FIDE-Schachregeln muss jeder Spieler „eine Mindestzahl von Zügen oder alle Züge in einer bestimmten Zeitperiode einschließlich einer zusätzlichen Bedenkzeit pro Zug abgeschlossen haben“ – und all das ist vor der Partie bekannt zu geben. Die FIDE-Regeln gelten für jede von der FIDE gewertete Partie. In Deutschland sind sie laut Turnierordnung des Deutschen Schachbundes (Tz. A.3) Bestandteil der DSB-Turnierordnung und gelten, soweit diese nichts anderes vorsieht; die Schiedsrichterkommission des DSB gibt die deutsche Übersetzung heraus.

Was eine Schachuhr ist, steht in Artikel 6.1: „eine Uhr mit zwei Zeitanzeigen, die so miteinander verbunden sind, dass zu gleicher Zeit nur eine von ihnen laufen kann“. Jede Anzeige hat ein „Fallblättchen“. Der Name kommt von der mechanischen Uhr, an der tatsächlich ein kleines Blättchen fällt, wenn die Zeit abgelaufen ist. Auf einer elektronischen Uhr zeigt die Anzeige 0:00. Die Regeln benutzen den Begriff für beide Bauarten: „Das Fallen des Fallblättchens“ bedeutet, dass deine zugewiesene Zeit aufgebraucht ist.

Nach der Länge der Bedenkzeit unterscheiden die FIDE-Regeln drei Kategorien:

  • Blitzschach: alle Züge in 10 Minuten oder weniger pro Spieler – oder Grundzeit plus 60-mal das Inkrement ergibt höchstens 10 Minuten (Anhang B.1).
  • Schnellschach: mehr als 10, aber weniger als 60 Minuten pro Spieler, nach derselben Rechnung (Anhang A.1).
  • Langpartie (englisch „standard chess“, in der deutschen Übersetzung „Turnierschach“): mindestens 60 Minuten pro Spieler (Glossar der FIDE-Regeln).

Welche Bedenkzeiten in deutschen Turnieren und bei Weltmeisterschaften üblich sind, findest du in unserer Übersicht Bedenkzeit im Schach.

Und wenn deine Zeit abläuft? Dann hast du die Partie verloren (Artikel 6.9) – außer dein Gegner kann dich mit keiner Folge regelgemäßer Züge mehr mattsetzen; dann ist die Partie remis. Die Einzelheiten, auch für Blitzpartien ohne Schiedsrichter am Brett, stehen in Zeitüberschreitung im Schach.

Schachuhr einstellen: Grundzeit, Inkrement, Zeitphasen

Jede Bedenkzeit setzt sich aus höchstens drei Bausteinen zusammen:

  1. Grundzeit – die Zeit, mit der jeder Spieler startet, zum Beispiel 5 Minuten.
  2. Zeitzugabe pro Zug – Sekunden, die du pro Zug gutgeschrieben bekommst (Fischer-Modus, Bronstein-Modus) oder in denen die Uhr wartet (US-Delay). Dazu gleich mehr.
  3. Zeitphasen – Perioden mit einer Mindestzahl von Zügen, zum Beispiel 90 Minuten für die ersten 40 Züge und danach 30 Minuten für den Rest der Partie. Zeit, die du in einer Phase sparst, nimmst du in die nächste mit (Artikel 6.3.2).

Auf The Chess Timer stellst du das so ein:

  • Tippe auf eine Bedenkzeit im Raster, zum Beispiel 5+3 oder 10+0. Die Uhr ist sofort bereit.
  • Tippe auf Eigene, wenn du die Bedenkzeit selbst zusammenstellen willst. Unter Grundzeit (beide) stellst du Minuten und Sekunden ein. Unter Zeitzugabe pro Zug wählst du Keine, Fischer, Bronstein oder Delay und darunter die Sekunden pro Zug. Unter Phasen hängst du mit Phase hinzufügen weitere Perioden an, jede mit Zügezahl und zusätzlicher Zeit. Die letzte Phase gilt bis zum Partieende; insgesamt sind bis zu drei Phasen möglich.
  • Andere Zeit für Schwarz gibt einem Spieler mehr Zeit als dem anderen (Zeitvorgabe), etwa wenn ein Erwachsener gegen ein Kind spielt. Armageddon setzt Weiß auf 5:00 und Schwarz auf 4:00.
  • Speichern und starten öffnet die Uhr im Startzustand.

Unter dem Raster findest du außerdem vier Schnellzugriffe: Zeitvorgabe, Armageddon, Mehrere Phasen (öffnet die FIDE-Langpartie 90/40 + 30) und US-Delay (öffnet G/30;d5).

Die Bedenkzeiten im Raster und ihre Einordnung nach den FIDE-Regeln:

Bedenkzeit Grundzeit Inkrement Kategorie nach FIDE
1+0 1 Minute – Blitzschach (auf Online-Plattformen „Bullet“)
3+2 3 Minuten 2 s Blitzschach
5+0 5 Minuten – Blitzschach
5+3 5 Minuten 3 s Blitzschach
10+0 10 Minuten – Blitzschach
15+10 15 Minuten 10 s Schnellschach
30+0 30 Minuten – Schnellschach
90+30 90 Minuten 30 s Langpartie

Was bedeutet 3+2?

Die Kurzschreibweise „Minuten+Sekunden“ ist die gebräuchlichste Art, eine Bedenkzeit anzugeben: Die erste Zahl ist die Grundzeit in Minuten, die zweite das Inkrement in Sekunden pro Zug. 3+2 heißt also: Jeder Spieler hat 3 Minuten, und nach jedem Zug kommen 2 Sekunden dazu. Das Inkrement gibt es schon für den ersten Zug: Bei einer 3+2-Partie zeigt unsere Uhr zu Beginn 3:02, genau wie eine elektronische Turnieruhr (dazu unten mehr).

Aus denselben beiden Zahlen berechnet die FIDE, in welche Kategorie eine Partie fällt: Grundzeit plus 60-mal das Inkrement.

  • 3+2: 3 Minuten + 60 × 2 s = 5 Minuten → Blitzschach.
  • 5+3: 5 Minuten + 60 × 3 s = 8 Minuten → Blitzschach.
  • 15+10: 15 Minuten + 60 × 10 s = 25 Minuten → Schnellschach.
  • 90+30: 90 Minuten + 60 × 30 s = 120 Minuten → Langpartie.

Zwei weitere Schreibweisen begegnen dir bei Turnierbedenkzeiten. 90/40 + 30 heißt auf unserer Uhr: 90 Minuten für die ersten 40 Züge, dann 30 Minuten zusätzlich für den Rest, dazu 30 Sekunden Inkrement ab dem ersten Zug. G/30;d5 steht für eine Partie („Game“) mit 30 Minuten Grundzeit und 5 Sekunden US-Delay pro Zug.

Fischer-Modus, Bronstein-Modus und US-Delay im Vergleich

Alle drei Modi geben dir pro Zug ein paar Sekunden, damit du am Ende der Partie nicht nur noch gegen die Uhr spielst. Sie tun das aber auf verschiedene Weise:

  • Fischer-Modus (Inkrement): Nach jedem Zug bekommst du eine feste Anzahl Sekunden gutgeschrieben, zum Beispiel 2. Brauchst du für einen Zug weniger Zeit als das Inkrement, wächst deine Zeit.
  • Bronstein-Modus: Nach jedem Zug bekommst du die Zeit zurück, die du für den Zug gebraucht hast – höchstens aber die eingestellten Sekunden. Deine Zeit kann nie über den Stand steigen, den sie am Anfang des Zuges hatte.
  • US-Delay (einfache Verzögerung): Die Uhr wartet zu Beginn jedes Zuges die eingestellten Sekunden, bevor sie herunterzählt. Gutgeschrieben wird nichts.

Die FIDE-Regeln beschreiben in Artikel 6.3.2 nur den Verzögerungsmodus, dort „Aufschub-Modus“ genannt: Beide Spieler erhalten eine Hauptbedenkzeit und pro Zug eine festgelegte Extrabedenkzeit; der Verbrauch der Hauptbedenkzeit setzt erst nach Ablauf der Extrabedenkzeit ein. Wer vor Ablauf der Extrabedenkzeit drückt, behält seine Hauptbedenkzeit unverändert. Bronstein und US-Delay führen zu genau demselben Ergebnis: Nach jedem Zug bleibt in beiden Modi dieselbe Zeit übrig. Nur die Anzeige während des Zuges unterscheidet sich – Bronstein zählt sofort herunter und gibt die Zeit beim Drücken zurück, US-Delay wartet sichtbar und zählt erst dann herunter.

Sieh dir den Unterschied zwischen Fischer-Modus und US-Delay live an. Beide Uhren haben eine Grundzeit von 1:00, die eine mit Fischer +2 s, die andere mit US-Delay 2 s. Die Fischer-Uhr zeigt vor dem ersten Zug 1:02, weil sie das Inkrement für den ersten Zug schon bekommen hat; die Delay-Uhr zeigt 1:00. Auf beiden Uhren werden dieselben fünf Züge gespielt, mit 1, 4, 2, 6 und 1 Sekunden Bedenkzeit:

Fischer +2 s1:02
US-Delay 2 s1:00
Vor dem ersten Zug

Nach dem ersten Zug (1 s) steht die Fischer-Uhr auf 1:03, denn sie hat 1 Sekunde verbraucht und 2 gutgeschrieben bekommen; die Delay-Uhr steht noch auf 1:00, weil der Zug innerhalb der Wartezeit fertig war. Nach dem zweiten Zug (4 s) zeigt Fischer 1:01 und Delay 0:58. Nach dem dritten Zug (2 s) bleibt es bei 1:01 und 0:58. Der vierte Zug (6 s) kostet Fischer netto 4 Sekunden (0:57) und Delay ebenfalls 4 Sekunden (0:54). Nach dem fünften Zug (1 s) steht Fischer auf 0:58, Delay auf 0:54. Der Unterschied von 4 Sekunden setzt sich aus zwei Teilen zusammen: 2 Sekunden sind das Inkrement, das die Fischer-Uhr schon vor dem ersten Zug bekommen hat. Die anderen 2 Sekunden stammen aus den beiden schnellen Zügen: Dort hat Fischer je 1 Sekunde gewonnen; die Delay-Uhr hat dabei nichts verloren, aber auch nichts gewonnen.

Modus Nach jedem Zug Kann deine Zeit wachsen? Anzeige während des Zuges
Fischer-Modus feste Sekunden dazu ja zählt sofort herunter
Bronstein-Modus verbrauchte Zeit zurück, höchstens die eingestellten Sekunden nein zählt sofort herunter, springt beim Drücken zurück
US-Delay nichts nein wartet die eingestellten Sekunden („Delay“), zählt dann herunter

Ein Detail für Turnierspieler: Die technischen Standards der FIDE für elektronische Uhren verlangen, dass im Fischer-Modus das Inkrement schon vor dem ersten Zug gutgeschrieben wird (C.02/03, Abschnitt 3.3.3). Eine zertifizierte Turnieruhr zeigt bei 3+2 zu Beginn also 3:02 – und The Chess Timer macht es genauso.

Schachuhr-Regeln am Brett

Die Regeln zur Handhabung der Uhr stehen in Artikel 6.2 der FIDE-Schachregeln, ergänzt durch Artikel 4 (Ausführung der Züge) und Artikel 7 (Regelverstöße). Das Wichtigste für die Praxis:

  1. Wer startet die Uhr? Zum festgesetzten Partiebeginn wird die Uhr von Weiß in Gang gesetzt (Artikel 6.6). Auf einer Schachuhr mit zwei Tasten startet die Taste von Schwarz die Uhr von Weiß – in der Praxis drückt deshalb meist Schwarz, und auf The Chess Timer tippt Schwarz zuerst.
  2. Ziehen, dann drücken. Nach deinem Zug auf dem Brett hältst du deine Uhr an und setzt die des Gegners in Gang – erst damit ist der Zug „abgeschlossen“ (Artikel 6.2.1). Du darfst auch dann noch drücken, wenn dein Gegner schon geantwortet hat; die Zeit zwischen Zug und Drücken zählt zu deiner Bedenkzeit (Artikel 6.2.2).
  3. Mit derselben Hand. Du musst die Uhr mit der Hand drücken, mit der du gezogen hast, und darfst den Finger nicht auf oder über der Uhr halten (Artikel 6.2.3). Jeder Zug wird mit einer Hand allein ausgeführt (Artikel 4.1). Benutzt du für einen Zug zwei Hände – etwa bei Rochade, Schlagen oder Bauernumwandlung – und drückst dann die Uhr, wird das wie ein regelwidriger Zug behandelt (Artikel 7.5.4); dasselbe gilt, wenn du drückst, ohne gezogen zu haben (Artikel 7.5.3). Beim ersten regelwidrigen Zug bekommt der Gegner zwei Minuten dazu, beim zweiten ist die Partie verloren (Artikel 7.5.5); im Schnell- und Blitzschach beträgt die Zeitstrafe eine Minute (Anhang A.3).
  4. Pfleglich behandeln. Auf die Uhr hauen, sie hochheben, vor dem Ziehen drücken oder sie umwerfen ist verboten und wird nach Artikel 12.9 bestraft (Artikel 6.2.4).
  5. Figuren zurechtrücken darfst du nur, wenn deine Uhr läuft (Artikel 6.2.5), und nur nach Ankündigung, etwa mit „j’adoube“ oder „ich korrigiere“ (Artikel 4.2.1).
  6. Die Uhr anhalten darfst du nur, um den Schiedsrichter zu Hilfe zu rufen, zum Beispiel wenn bei der Umwandlung die gewünschte Figur fehlt (Artikel 6.11.2). Wann es weitergeht, entscheidet der Schiedsrichter (Artikel 6.11.3).
  7. Zeitüberschreitung. Das Fallblättchen gilt als gefallen, wenn der Schiedsrichter es beobachtet oder ein Spieler zu Recht darauf hinweist (Artikel 6.8). Wer die vorgeschriebenen Züge nicht in der Zeit schafft, hat verloren – es sei denn, der Gegner kann mit keiner Folge regelgemäßer Züge mehr mattsetzen; dann ist es remis (Artikel 6.9). Die Anzeige der Uhr ist dabei bindend, solange die Uhr keinen offensichtlichen Mangel hat (Artikel 6.10.1). Mehr dazu, auch für Blitzpartien ohne Schiedsrichter am Brett: Zeitüberschreitung im Schach.

Am Vereinsabend oder am Küchentisch spielt ihr ohne Schiedsrichter. Dieselben Regeln taugen trotzdem als gemeinsame Grundlage, denn sie klären die typischen Streitfälle im Voraus. The Chess Timer hält bei Zeitüberschreitung beide Anzeigen an und zeigt Zeit abgelaufen; ob die Partie damit verloren oder remis ist, entscheidet ihr am Brett.

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Öffne die Uhr direkt mit einer passenden Bedenkzeit:

Zum Weiterlesen: Bedenkzeit im Schach: Blitz, Schnellschach, Langpartie und Zeitüberschreitung im Schach: Wann verloren, wann remis?.

Quellen