The Chess Timer

Regeln

Zeitüberschreitung im Schach: Wann verloren, wann remis?

Veröffentlicht am 28. September 2026 · 9 Min. Lesezeit

Ist beim Schach deine Zeit abgelaufen, hast du die Partie in der Regel verloren – aber nicht immer. Nach Artikel 6.9 der FIDE-Schachregeln endet die Partie remis, wenn dein Gegner dich mit keiner Folge regelgemäßer Züge mehr mattsetzen kann. Und ob eine Zeitüberschreitung überhaupt zählt, hängt davon ab, wer sie festgestellt hat: der Schiedsrichter oder ein Spieler mit einer gültigen Reklamation. Dieser Beitrag geht die Regeln zur Zeitüberschreitung im Schach Artikel für Artikel durch – für Langpartie, Schnellschach und Blitzschach.

Zeit abgelaufen: Wann ist die Partie verloren?

Die FIDE-Schachregeln nennen das Ende der Bedenkzeit „Fallen des Fallblättchens“. Artikel 6.1 definiert: Jede der beiden Zeitanzeigen einer Schachuhr hat ein Fallblättchen, und sein Fallen „bedeutet, dass die einer Spielerin / einem Spieler zugewiesene Zeit aufgebraucht worden ist“. Der Begriff gilt für mechanische und elektronische Uhren gleichermaßen.

Was dann passiert, regelt Artikel 6.9: Wer „die vorgeschriebene Anzahl von Zügen in der zugewiesenen Zeit nicht abgeschlossen hat“, hat die Partie verloren. In diesem Satz stecken zwei Punkte:

  • Vorgeschriebene Anzahl von Zügen. Bei Bedenkzeiten mit mehreren Phasen – etwa 90 Minuten für 40 Züge, dann 30 Minuten für den Rest – fällt das Blättchen am Ende der ersten Phase, ohne dass jemand verliert, sofern die 40 Züge geschafft sind. Deshalb schreibt Artikel 6.4 vor, unmittelbar nach dem Fallen zu prüfen, ob die Anforderungen aus Artikel 6.3.1 erfüllt sind. Die gesparte Zeit wandert in die nächste Phase (Artikel 6.3.2).
  • Abgeschlossen. Ein Zug ist erst abgeschlossen, wenn du nach dem Zug auf dem Brett deine Uhr gedrückt hast (Artikel 6.2.1). Die Zeit zwischen Ziehen und Drücken gehört zu deiner Bedenkzeit (Artikel 6.2.2). Fällt dein Blättchen, während deine Hand auf dem Weg zur Uhr ist, kam der Zug zu spät.

Eine Ausnahme nennt Artikel 6.9 gleich zu Beginn: Ist die Partie schon durch Matt, Aufgabe, Patt, tote Stellung oder Remisvereinbarung beendet (Artikel 5.1.1 bis 5.2.3), spielt das Blättchen keine Rolle mehr. Setzt du matt, ist die Partie in dem Moment beendet, in dem du die Figur losgelassen hast (Artikel 4.7 und 5.1.1); ein Zug, der die Partie beendet, gilt auch ohne Drücken als abgeschlossen (Artikel 6.2.1.1). Fällt dein Blättchen erst danach auf dem Weg zur Uhr, hast du gewonnen.

Zeitüberschreitung und Remis: Wann der Gegner nicht mehr gewinnen kann

Der zweite Satz von Artikel 6.9 lautet: „Die Partie ist jedoch remis, wenn eine Stellung entstanden ist, aus der heraus es der Gegnerin / dem Gegner nicht möglich ist, den König der Spielerin / des Spielers durch eine beliebige Folge regelgemäßer Züge matt zu setzen.“

Der Maßstab ist streng. Es geht nicht darum, ob der Gegner das Matt erzwingen könnte, sondern ob es überhaupt irgendeine Zugfolge gibt, an deren Ende dein König matt steht – und sei sie noch so unwahrscheinlich, weil du dabei mithelfen müsstest. Hast du selbst nur noch den König, gilt:

  • Der Gegner hat auch nur noch den König: remis.
  • Der Gegner hat König und Springer oder König und Läufer: Gegen den blanken König ist kein Matt möglich – remis.
  • Der Gegner hat noch einen Bauern: Der Bauer kann umgewandelt werden, ein Matt ist möglich – du hast verloren.
  • Der Gegner hat König und zwei Springer: Ein Matt lässt sich gegen den blanken König nicht erzwingen, aber es ist möglich (Weiß Kb6, Sc6, Sc7 gegen Schwarz Ka8 ist matt) – du hast verloren.

Hast du selbst noch Figuren, wird es seltener remis, denn deine eigenen Figuren können deinem König Fluchtfelder nehmen und so ein Matt ermöglichen, das gegen den blanken König unmöglich wäre.

Der Maßstab ist derselbe wie bei der „toten Stellung“ (Artikel 5.2.2), bei der die Partie sofort remis ist, weil keiner der beiden Spieler den anderen mattsetzen kann. Der Unterschied: Bei der Zeitüberschreitung zählt nur, ob die Seite mit Restzeit noch mattsetzen könnte.

Wer darf die Zeitüberschreitung feststellen?

Artikel 6.8: „Das Fallblättchen gilt als gefallen, wenn die Schiedsrichterin / der Schiedsrichter dies beobachtet oder die Spielerin / der Spieler zu Recht darauf hingewiesen hat.“ Daraus folgt dreierlei:

  1. Fällt das Blättchen, ohne dass es jemand bemerkt, und läuft die Partie weiter, ist zunächst nichts passiert. Erst die Beobachtung des Schiedsrichters oder die gültige Reklamation eines Spielers macht die Zeitüberschreitung wirksam.
  2. Zuschauer zählen nicht. Auch Bildschirme und Demonstrationsbretter im Saal sind keine Grundlage: Ein Spieler darf einen Anspruch nicht allein auf solche Anzeigen stützen (Artikel 6.12.2).
  3. Die Anzeige der Schachuhr selbst ist bindend, „sofern kein offensichtlicher Mangel an der Schachuhr vorliegt“ (Artikel 6.10.1). Eine Uhr mit offensichtlichem Mangel ersetzt der Schiedsrichter und stellt die Zeiten nach bestem Ermessen ein.

Um zu reklamieren, machst du den Schiedsrichter auf das gefallene Blättchen aufmerksam. Die Uhr anhalten darfst du nach Artikel 6.11.2 nur, um den Schiedsrichter zu Hilfe zu rufen – genau das ist hier der Fall; für Schnell- und Blitzpartien erlaubt Anhang A.5.3 das Anhalten für eine Zeitreklamation ausdrücklich.

Zeitüberschreitung im Blitzschach: Reklamation ohne Schiedsrichter am Brett

Blitzschach ist nach Anhang B.1 jede Partie, in der alle Züge in 10 Minuten oder weniger pro Spieler abgeschlossen werden müssen – oder in der Grundzeit plus 60-mal das Inkrement höchstens 10 Minuten ergibt. Partien mit 3+2 oder 5+3 sind also Blitzpartien.

Im Blitz gelten die vollständigen Turnierschachregeln nur, wenn ein Schiedsrichter genau eine Partie überwacht und jede Partie aufgezeichnet wird (Anhang B.2). Bei einem Blitzturnier mit 40 Brettern ist das praktisch nie der Fall. Dann gilt Anhang B.3, der auf die Schnellschachregeln A.2, A.3 und A.5 verweist. Für die Zeitüberschreitung heißt das:

  • Du musst selbst reklamieren. Anhang A.5.3: „Um einen Gewinn durch Zeitüberschreitung zu beanspruchen, darf die / der Antragstellende die Schachuhr anhalten und die Schiedsrichterin / den Schiedsrichter benachrichtigen.“ Solange niemand reklamiert, läuft die Partie weiter – auch wenn ein Blättchen längst gefallen ist.
  • Remis, wenn du nicht mehr mattsetzen kannst. Derselbe Artikel: Das Ergebnis ist „jedoch Remis, wenn die / der Antragsstellende aus dieser Stellung heraus mit keiner Folge regelgemäßer Züge den gegnerischen König mattsetzen kann“. Mit dem blanken König führt deine Reklamation also nur zu einem Remis.
  • Der Schiedsrichter greift ein, wenn er es sieht. Beobachtet er ein gefallenes Blättchen, muss er darauf hinweisen (Anhang A.5.5).
  • Keine Änderung an der Uhr nach 10 Zügen. Sobald beide Spieler 10 Züge abgeschlossen haben, dürfen die Einstellungen der Schachuhr nicht mehr geändert werden, es sei denn, der Zeitplan des Turniers wäre betroffen (Anhang A.5.1.1). Eine falsch eingestellte Bedenkzeit musst du also früh bemerken.

Welche der beiden Varianten gilt, B.2 oder B.3, muss das Turnierreglement für das ganze Turnier festlegen (Anhang B.4). Für Schnellschach gilt dasselbe Schema mit den Artikeln A.4 und A.5 (Anhang A.6); dort darf ein Schiedsrichter höchstens drei Partien überwachen, damit die vollständigen Turnierschachregeln gelten (Anhang A.4.1).

Beide Blättchen gefallen: Wer hat verloren?

Für diesen Fall enthalten die FIDE-Schachregeln nur eine ausdrückliche Vorschrift, und diese gilt nur unter bestimmten Bedingungen: Die Richtlinien III für Partien ohne Zeitgutschrift müssen für das Turnier vorher angekündigt sein (III.2.1). Außerdem gelten sie nur für Langpartien (in der deutschen Übersetzung „Turnierschach“, englisch „standard chess“) und Schnellschach ohne Inkrement, nicht für Blitzschach (III.2.2). Unter diesen Bedingungen gilt III.3.1: Sind beide Fallblättchen gefallen und ist nicht feststellbar, welches zuerst fiel, wird die Partie fortgesetzt, wenn das in einer beliebigen Zeitperiode außer der letzten passiert (III.3.1.1); passiert es in der Zeitperiode, in der alle verbleibenden Züge vollendet werden müssen, ist die Partie remis (III.3.1.2).

Für alle anderen Partien – also für Blitzschach und für jede Partie mit Inkrement – gibt es keine eigene Vorschrift. Es bleibt bei den allgemeinen Artikeln: Das Blättchen gilt als gefallen, wenn der Schiedsrichter es beobachtet oder ein Spieler zu Recht darauf hinweist (Artikel 6.8), und die Anzeige der Uhr ist bindend (Artikel 6.10.1). Eine elektronische Uhr, die den technischen Standards der FIDE entspricht, soll erkennen lassen, welches Blättchen zuerst gefallen ist (Standard C.02/03, Abschnitt 3.1.14) – damit ist die Frage in der Praxis meist beantwortet. „Nicht feststellbar, welches zuerst“ ist ein Problem der mechanischen Uhr.

Elektronische und mechanische Schachuhr: Was die Regeln unterscheiden

Die FIDE-Schachregeln benutzen für beide Bauarten dieselben Begriffe und stellen keine eigenen Regeln für elektronische Uhren auf. Dass es beide noch gibt, zeigt Anhang D: Für sehbehinderte Spieler ist neben einer sprechenden Spezialuhr weiterhin eine Analoguhr mit tastbarem Fallblättchen zulässig (D.2.6.1 und D.2.6.2). An einigen Stellen wird der Unterschied zwischen den Bauarten trotzdem sichtbar:

Thema Mechanische Uhr Elektronische Uhr Wo es steht
Zeit abgelaufen Blättchen fällt Anzeige steht auf 0:00 Art. 6.1: ein Begriff für beide
Beide Blättchen gefallen Reihenfolge oft nicht feststellbar; Richtlinie III.3.1, wenn angekündigt soll zeigen, welches zuerst fiel III.3.1; Standard C.02/03, 3.1.14
Zeitzugabe pro Zug nicht möglich Fischer-Modus, Bronstein-Modus, US-Delay; die Regeln beschreiben den „Aufschub-Modus“ Art. 6.3.2
Zügezahl auf der Uhr keine Uhren mit Zugzähler sind erlaubt, aber ein Anspruch darf sich nicht allein auf diese Anzeige stützen; der Schiedsrichter korrigiert den Zähler bei Bedarf Art. 6.12.1, 6.12.2, 6.10.2
Inkrement vor dem ersten Zug – zertifizierte Uhren schreiben es vor dem ersten Zug gut Standard C.02/03, 3.3.3
Einsatz bei DSB-Wettbewerben zulässig nur von der FIDE zugelassene Modelle; Uhren sind vor dem Kampf zu prüfen DSB-Turnierordnung, Tz. A-8.1.2

Was The Chess Timer bei Zeitüberschreitung anzeigt

Erreicht eine Seite 0:00, halten beide Anzeigen an, die betroffene Hälfte zeigt Zeit abgelaufen, und über Ergebnis ansehen kommst du zur Auswertung mit Zügen und Zeit pro Zug. Auch die Auswertung sagt nur, wessen Zeit abgelaufen ist; einen Sieger nennt sie nicht. Bei weniger als 20 Sekunden Restzeit zeigt die Uhr Zehntelsekunden, und auf Wunsch warnt sie 10 oder 30 Sekunden vor dem Ende (Einstellungen → Warnung bei wenig Zeit).

Die Uhr kennt die Stellung auf dem Brett nicht. Ob die Zeitüberschreitung nach Artikel 6.9 ein Sieg oder ein Remis ist, prüft ihr selbst: Kann die Seite mit Restzeit noch mattsetzen? In einer Turnierpartie entscheidet das der Schiedsrichter.

Probier es aus

Wie du Grundzeit, Inkrement und Zeitphasen einstellst, steht in der Anleitung Wie funktioniert eine Schachuhr?. Welche Bedenkzeiten in deutschen Turnieren üblich sind, zeigt Bedenkzeit im Schach: Blitz, Schnellschach, Langpartie.

Quellen