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Bedenkzeit im Schach: Blitz, Schnellschach, Langpartie
Wie lange hat man beim Schach Zeit? Eine einheitliche Antwort gibt es nicht, denn die Bedenkzeit legt jedes Turnier selbst fest. Die FIDE teilt sie nur in drei Kategorien ein: Blitz bis 10 Minuten, Schnellschach über 10 und unter 60 Minuten, Langpartie ab 60 Minuten (in den Regeln „standard chess“) – gerechnet jeweils als Grundzeit plus 60 × Inkrement. Bei deutschen Meisterschaften und in der Schach-Bundesliga bekommst du heute meist 90 Minuten für 40 Züge, danach 30 Minuten für den Rest der Partie und ab dem ersten Zug 30 Sekunden pro Zug dazu.
Wie lange hat man beim Schach Zeit? Die drei Kategorien der FIDE
Die FIDE-Regeln (Laws of Chess, gültig seit dem 1. Januar 2023) schreiben keine Partiedauer vor. Sie sagen nur, in welche Kategorie eine Bedenkzeit fällt. Dafür rechnen sie Grundzeit und Inkrement zusammen, als würde die Partie 60 Züge dauern:
Grundzeit + 60 × Inkrement
- Ergibt das 10 Minuten oder weniger, ist es Blitz (Anhang B.1).
- Ergibt das mehr als 10, aber weniger als 60 Minuten, ist es Schnellschach (Anhang A.1).
- Alles ab 60 Minuten ist eine Langpartie – die englischen FIDE-Regeln nennen sie „standard chess“ und definieren sie im Glossar als Partie, in der jeder Spieler mindestens 60 Minuten Bedenkzeit hat; die deutsche Übersetzung verwendet den Begriff „Turnierschach“.
Ein paar Beispiele in der Notation Minuten+Sekunden:
| Bedenkzeit | Rechnung | Kategorie |
|---|---|---|
| 3+2 | 3 min + 60 × 2 s = 5 min | Blitz |
| 5+3 | 5 min + 60 × 3 s = 8 min | Blitz |
| 10+0 | 10 min | Blitz – 10 Minuten zählen noch als Blitz |
| 10+5 | 10 min + 60 × 5 s = 15 min | Schnellschach |
| 15+10 | 15 min + 60 × 10 s = 25 min | Schnellschach |
| 60+0 | 60 min | Langpartie – Schnellschach endet unterhalb von 60 Minuten |
| 90+30 | 90 min + 60 × 30 s = 120 min | Langpartie |
Blitzschach: Bedenkzeit bis 10 Minuten
Blitz ist nach Anhang B.1 jede Partie, in der alle Züge in höchstens 10 Minuten pro Spieler gespielt werden müssen – oder bei der Grundzeit plus 60 × Inkrement höchstens 10 Minuten ergibt. In Turnieren ist 3+2 eine verbreitete Bedenkzeit: Die 1. Schach-Bundesliga trägt ihre Stichkämpfe als Blitzwettkampf mit 3 Minuten plus 2 Sekunden Zeitzuschlag ab dem ersten Zug aus (Turnierordnung, Ziff. 17.3), und auch der Tiebreak der Weltmeisterschaft endet mit 3+2. Die Stichkämpfe der Schach-Frauenbundesliga werden dagegen als Blitzwettkämpfe mit 5 Minuten gespielt (DSB-Turnierordnung, F-3.1.6.5).
Zwei Punkte, bei denen es oft Missverständnisse gibt:
- Bullet ist regeltechnisch Blitz. 1+0 oder 2+1 sind nach den FIDE-Regeln normale Blitzpartien. Für die Blitz-Elo zählen sie aber nicht: Dafür müssen Grundzeit plus 60 × Inkrement mehr als 3 Minuten ergeben (Rapid and Blitz Rating Regulations, Ziff. 1.1.2).
- Die vollständigen Turnierschachregeln gelten im Blitz nur mit Schiedsrichter am Brett. Nur wenn ein Schiedsrichter genau eine Partie überwacht und die Partie aufgezeichnet wird, gelten sie (Anhang B.2). Sonst gelten die Schnellschach-Bestimmungen der Artikel A.2, A.3 und A.5 (Anhang B.3). Was bei abgelaufener Zeit genau passiert und wann die Partie trotzdem remis ist, steht in Zeitüberschreitung im Schach.
Schnellschach: Bedenkzeit über 10 und unter 60 Minuten
Schnellschach (bei der FIDE „Rapid chess“) liegt nach Anhang A.1 zwischen den beiden Grenzen: mehr als 10 und weniger als 60 Minuten pro Spieler, wieder gerechnet als Grundzeit plus 60 × Inkrement. Die FIDE selbst lässt den WM-Tiebreak zuerst über vier Partien mit 15 Minuten + 10 Sekunden spielen, danach über zwei Partien mit 10 Minuten + 5 Sekunden (Regulations WCh Match 2026, Art. 4.4.2.2 und 4.4.2.3) – beides Schnellschach, denn 10+5 ergibt 15 Minuten.
Im Schnellschach musst du nicht mitschreiben (A.2), und die Strafen aus den Artikeln 7 und 9 betragen eine Minute statt zwei (A.3). Ob die vollständigen Turnierschachregeln gelten, hängt wie im Blitz vom Schiedsrichter ab: Sie gelten nur, wenn ein Schiedsrichter höchstens drei Partien überwacht und die Partien aufgezeichnet werden (A.4).
Klassische Bedenkzeit: die Langpartie
Für die klassische Bedenkzeit steht in den FIDE-Regeln keine eigene Zahl – Langpartie ist alles ab 60 Minuten. Konkreter werden zwei andere FIDE-Regelwerke:
- Elo-Wertung: Damit eine Partie für die Standard-Elo zählt, muss jeder Spieler bei angenommenen 60 Zügen mindestens 120 Minuten haben, wenn einer der beiden Spieler 2400 Elo oder mehr hat; ab 1800 Elo sind es 90 Minuten, sonst 60 Minuten (Rating Regulations, Ziff. 1.1). Ist für die erste Zeitkontrolle eine Zügezahl vorgegeben, sind es mindestens 30 Züge (Ziff. 1.2).
- Titelnormen: In Normenturnieren muss jeder Spieler mindestens zwei Stunden für 60 Züge haben (Title Regulations, Abschnitt 1.1). Darauf beziehen sich die deutschen Turnierordnungen, wenn sie eine Bedenkzeit „in Anlehnung an die von der FIDE für den Erwerb von Titelnormen empfohlene Bedenkzeit“ verlangen.
In den aktuellen Ordnungen und Ausschreibungen von DSB, DSJ und Schachbundesliga steht meist dieselbe Bedenkzeit: 90 Minuten für 40 Züge, danach 30 Minuten für den Rest der Partie, plus 30 Sekunden pro Zug von Beginn an. Bei 60 Zügen sind das 150 Minuten pro Spieler. Mit dieser Bedenkzeit werden die Deutsche Schachmeisterschaft 2026 (Meisterklasse und Kandidatenturnier), die Offene Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft und im Regelfall die Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften gespielt; auch das Glossar der FIDE-Regeln nennt genau diese Zeitkontrolle als Beispiel.
Bei der Weltmeisterschaft wird länger gespielt: 120 Minuten für 40 Züge, dann 30 Minuten für den Rest, und das Inkrement von 30 Sekunden gibt es erst ab Zug 41 (Regulations WCh Match 2026, Art. 4.2.2 – unverändert gegenüber dem Match 2024).
Bedenkzeit in der Schach-Bundesliga
Zwischen der Fassung vom 05.07.2023 und der aktuellen Fassung vom 18.04.2026 hat die 1. Schach-Bundesliga ihre Bedenkzeit verkürzt. Heute heißt es in Ziff. 13 der Turnierordnung: „Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten für die ersten 40 Züge. Nach der ersten Zeitkontrolle erhält jeder Spieler für den Rest der Partie 30 Minuten zu seiner vorhandenen Restbedenkzeit hinzugefügt. Ab dem ersten Zug erhält jeder Spieler pro ausgeführtem Zug eine Gutschrift von 30 Sekunden.“ Die Fassung von 2023 nannte an derselben Stelle noch 100 Minuten für 40 Züge und 50 Minuten für den Rest. Liest du irgendwo „100 + 50“ für die 1. Bundesliga, ist das der alte Stand.
Die 2. Schach-Bundesliga richtet der Deutsche Schachbund aus. Seine Turnierordnung überlässt die Festlegung der Bedenkzeit der Bundesspielkommission (H-2.5) und dokumentiert in einer Fußnote deren Beschluss vom 04.01.2014: 100 Minuten für 40 Züge, dann 50 Minuten Zusatzbedenkzeit, in beiden Phasen 30 Sekunden pro Zug ab dem ersten Zug. Ob das in der laufenden Saison so gilt, steht in der jeweiligen Ausschreibung. Für die Schach-Frauenbundesliga nennt die Turnierordnung keine konkrete Bedenkzeit; die Kommission Frauenschach legt sie in Anlehnung an die FIDE-Empfehlung für Titelnormen fest (F-3.1.5).
Bedenkzeiten im Schach im Überblick
Alle Werte gelten pro Spieler. „+30 s“ heißt Fischer-Modus (Inkrement) ab dem ersten Zug, wenn nichts anderes steht. Jede Zeile wurde am 28.09.2026 im verlinkten Originaldokument geprüft.
| Bereich | Bedenkzeit | Einordnung | Quelle |
|---|---|---|---|
| FIDE-Definition: Blitz | Grundzeit + 60 × Inkrement: 10 Minuten oder weniger | Blitz | FIDE-Regeln, Anhang B.1 |
| FIDE-Definition: Schnellschach | Grundzeit + 60 × Inkrement: mehr als 10, weniger als 60 Minuten | Schnellschach | FIDE-Regeln, Anhang A.1 |
| FIDE-Definition: Langpartie („standard chess“) | mindestens 60 Minuten Bedenkzeit je Spieler; für Standard-Elo mindestens 60, 90 oder 120 Minuten je nach Elo-Zahl¹ | Langpartie | FIDE-Regeln, Glossar „standard chess“; Rating Regulations, Ziff. 1.1 |
| Schach-WM 2026, Matchpartien | 120 min für 40 Züge + 30 min; +30 s erst ab Zug 41 | Langpartie | FIDE, Regulations WCh Match 2026, Art. 4.2.2 |
| Schach-WM 2026, Tiebreak | 4 × 15+10, dann 2 × 10+5, dann 3+2 | Schnellschach, dann Blitz | ebd., Art. 4.4.2.2–4.4.2.5 |
| 1. Schach-Bundesliga | 90 min für 40 Züge + 30 min; +30 s | Langpartie | Turnierordnung Schachbundesliga e.V. (Stand 18.04.2026), Ziff. 13 |
| 1. Schach-Bundesliga, Stichkampf | 3 min + 2 s | Blitz | ebd., Ziff. 17.3 |
| Deutsche Schachmeisterschaft 2026 (Meisterklasse und Kandidatenturnier) | 90 min für 40 Züge + 30 min; +30 s | Langpartie | DSB, Ausschreibungen DEM 2026, „Modus“ |
| Offene Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft | 90 min für 40 Züge + 30 min; +30 s | Langpartie | DSB-Turnierordnung, S-1.3 |
| Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaften (Regelfall) | 90 min für 40 Züge + 30 min; +30 s – U8: 60 min + 15 s | Langpartie | DSJ-Jugendspielordnung (08.03.2026), Ziff. 2.5 und 6.1 |
| Schach-Frauenbundesliga, Stichkampf | 5 min | Blitz | DSB-Turnierordnung, F-3.1.6.5 |
Anmerkungen zur Tabelle:
- Das Glossar der FIDE-Regeln definiert „standard chess“ als Partie mit mindestens 60 Minuten Bedenkzeit je Spieler. Die Mindestzeiten für die Elo-Wertung gelten für eine angenommene Partie über 60 Züge: 120 Minuten, wenn einer der beiden Spieler 2400 Elo oder mehr hat, 90 Minuten ab 1800 Elo, sonst 60 Minuten.
Diese Tabelle zitieren
Frei nutzbar mit Link auf diese Seite<a href="https://thechesstimer.com/de/blog/bedenkzeit-schach">Bedenkzeit im Schach: Blitz, Schnellschach, Langpartie</a> (The Chess Timer)So stellst du diese Bedenkzeiten auf The Chess Timer ein
Für die häufigsten Fälle hat die Uhr fertige Bedenkzeiten; einmal tippen genügt:
- Blitz 3+2: 3+2 starten. Die Uhr zeigt zu Beginn 3:02, weil das Inkrement schon für den ersten Zug gutgeschrieben wird – wie auf einer elektronischen Turnieruhr.
- Schnellschach 15+10: 15+10 starten – die Bedenkzeit der ersten Tiebreak-Runde bei der WM.
- Langpartie mit zwei Phasen, 90/40 + 30 + 30 s: FIDE-Langpartie starten. Die Uhr zählt die Züge mit; nach dem 40. Zug kommen 30 Minuten dazu.
- Einphasige Langpartie 90+30: 90+30 starten, wenn ein Turnier auf die zweite Phase verzichtet.
Andere Bedenkzeiten stellst du unter Eigene ein: Grundzeit eingeben, Zeitzugabe pro Zug auf Fischer mit 30 Sekunden stellen und mit Phase hinzufügen eine zweite Phase anlegen, zum Beispiel „nach Zug 40 plus 50 Min.“ für die 2. Bundesliga. Eine Grenze hat die Uhr: Das Inkrement gilt in allen Phasen gleich. Das WM-Format mit Inkrement erst ab Zug 41 bildet sie deshalb nicht exakt ab.
Wie eine Schachuhr grundsätzlich funktioniert – wer zuerst drückt, was 3+2 bedeutet, worin sich Fischer-Modus und Bronstein-Modus unterscheiden – steht in der Anleitung Wie funktioniert eine Schachuhr?.
Quellen
Alle Quellen geprüft am 28.09.2026.
- FIDE Handbook: FIDE Laws of Chess taking effect from 1 January 2023 – Art. 6.3, Anhang A.1–A.4, Anhang B.1–B.3, Glossar „standard chess“ und „time control“.
- FIDE Handbook: FIDE Rating Regulations effective from 1 March 2024 – Ziff. 1.1 und 1.2.
- FIDE Handbook: FIDE Rapid and Blitz Rating Regulations effective from 1 March 2024 – Ziff. 1.1.
- FIDE Handbook: FIDE Title Regulations effective from 1 January 2024 – Abschnitt 1.1.
- FIDE: Regulations for the FIDE World Championship Match 2026 – Art. 4.2.2 und 4.4.2; zum Vergleich Regulations for the FIDE World Championship Match 2024 – Art. 4.2.2.
- Schachbundesliga e.V.: Turnierordnung für die 1. Schach-Bundesliga, Stand 18.04.2026 – Ziff. 13 und 17.3; ältere Fassung Stand 05.07.2023 – Ziff. 13.
- Deutscher Schachbund: Turnierordnung des Deutschen Schachbundes e.V., Fassung vom 01.06.2025 – H-1.3, H-2.5 mit Fußnote, F-3.1.5, F-3.1.6.5, S-1.3, S-2.3.
- Deutscher Schachbund: Ausschreibungen zur 97. Deutschen Schachmeisterschaft 2026, Meisterklasse und Kandidatenturnier – Abschnitt „Modus“.
- Deutsche Schachjugend: Jugendspielordnung, beschlossen am 08.03.2026 – Ziff. 2.5 und 6.1.